Weder mitgemeint noch mitgedacht

Warum das generische Maskulinum keine Alternative ist und verschwinden wird

Christine Thurner

Leiterin Newsdesk

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29.3.2024, 12:42 Uhr
Das Wort «Besucher» ist auf einem Schild mit dem Zusatz ":innen" versehen worden. Das generische Maskulinum wird vor allem mit Männern assoziiert, zeigt eine Würzburger Studie. 

© Marijan Murat, dpa Das Wort «Besucher» ist auf einem Schild mit dem Zusatz ":innen" versehen worden. Das generische Maskulinum wird vor allem mit Männern assoziiert, zeigt eine Würzburger Studie. 


Männliche und weibliche Formen nennen, das Binnen-I setzen, Sternchen verwenden, den Glottisschlag üben: Gendern ist eine Zumutung. So empfinden es viele und verweisen gerne auf die einfache Lösung generisches Maskulinum, bei der doch schon immer alle "mitgemeint" seien.
Das funktioniert nur einfach nicht, wie auch eine neue Würzburger Studie zeigt.

Wenn von 1000 Ärzten auf einem Kongress die Rede ist, sieht unser inneres Auge eben keine 500 Ärztinnen und 500 Ärzte, sondern vor allem: Männer.

Sprache behindert oder fördert

Zu Recht, könnte man jetzt sagen, es ist eher unwahrscheinlich, dass auf einer solchen Veranstaltung das Geschlechterverhältnis ausgeglichen wäre. Und warum ist das so? Weil auch Mädchen, wenn sie ihre eigenen Optionen abwägen, vor ihrem inneren Auge vor allem Männer sehen, wenn von Ärzten, Anwälten, Piloten, Maurern und Mechatronikern geschrieben oder gesprochen wird.

Sprache schafft damit auch gesellschaftliche Realitäten und kann Wandel behindern oder beschleunigen.
Je mehr sich Alternativen durchsetzen, die tatsächlich alle Menschen sicht- und hörbar machen, desto männlicher konnotiert und aus der Zeit gefallen wirkt das generische Maskulinum.

Ob es einem gefällt oder nicht: Die Tage dieses Konstrukts sind gezählt.

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